2. Februar 2010

SONNE, MOND UND STERNE (oder: Das Buch Genesis Teil 1)


So ziemlich jede Religion glaubt zu wissen, wie das Universum begann. Den Schöpfungsmythos des Christen- und Judentums findet man im ersten Buch Mose, der Genesis.
Dieses Werk ist zugleich das erste Buch der Bibel der Christen und der jüdischen Torah. Hierin wird beschrieben, wie Gott die Welt und den gemeinen Menschen erschaffen hat. Gleich zweimal!


INVISIBLE TOUCH

Aber fangen wir doch ganz von vorne an:

"1 Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
2 Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.
3
Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht.
4 Und Gott sah, daß das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis

5
und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag."

(Genesis 1:15)



Am ersten Tag macht Gott also erstmal den kosmischen Lichtschalter an. Das ist insofern praktisch, als dass Gott jetzt seine Erde sehen und gut finden kann.
Bis hierhin ist die Kreation recht gut nachzuvollziehen. Was Gott aber so am zweiten Tag treibt, ist mir schon etwas schleierhafter.

"6 Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, und die sei ein Unterschied zwischen den Wassern.
7
Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah also.
8 Und Gott nannte die Feste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der andere Tag."

(Genesis 1:6-8)


Gott machte eine Feste, die er "Himmel" nannte? Aber den Himmel gibt es doch bereits seit dem Vortag! (Siehe Genesis 1:1: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.)
Also warum nochmal machen? Kein besonders intelligentes Design...



Am Mittwoch erschafft Gott jedenfalls Bäume und andere Pflanzen.

"11 Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das sich besame, und fruchtbare Bäume, da ein jeglicher nach seiner Art Frucht trage und habe seinen eigenen Samen bei sich selbst auf Erden. Und es geschah also.

12 Und die Erde ließ aufgehen Gras und Kraut, das sich besamte, ein jegliches nach seiner Art, und Bäume, die da Frucht trugen und ihren eigenen Samen bei sich selbst hatten, ein jeglicher nach seiner Art. Und Gott sah, daß es gut war.
13 Da ward aus Abend und Morgen der dritte Tag.
"

(Genesis 1:11-12)



Pflanzen sind somit die ältesten Lebewesen der Welt. Das Leben begann also keineswegs im Wasser, wie einige böse Scharlatane behaupten.




LAND OF CONFUSION

"14 Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre
15 und seien Lichter an der Feste des Himmels, daß sie scheinen auf Erden. Und es geschah also.
16 Und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch Sterne.

17 Und Gott setzte sie an die Feste des Himmels, daß sie schienen auf die Erde
18
und den Tag und die Nacht regierten und schieden Licht und Finsternis.
Und Gott sah, daß es gut war.
19
Da ward aus Abend und Morgen der vierte Tag."

(Genesis 14-19)


Das ist leider schon wieder etwas verwirrend. Gott macht am vierten Tag Lichter, "die da scheiden Tag und Nacht." Das scheint ein wenig überflüssig, da er ja Tag und Nacht, Licht und Finsternis bereits am allerersten Tag erschaffen hatte: "Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag." (Genesis 1:4-5)

Offenbar hatte Gott das bereits vergessen. Er scheint ein Erinnerungsvermögen wie ein bekiffter Goldfisch zu haben.


Übrigens hat Gott nur die Erde, den Mond, die Sonne und die Sterne erschaffen. Was ist mit den ganzen anderen Planeten im Weltall? Hat die der Teufel gemacht?



JESUS HE KNOWS ME

Am Freitag der Schöpfungswoche erfindet Gott Vögel und Fische. Wie den Walfisch.

"20 Und Gott sprach: Es errege sich das Wasser mit webenden und lebendigen Tieren, und Gevögel fliege auf Erden unter der Feste des Himmels.
21
Und Gott schuf große Walfische und allerlei Getier, daß da lebt und webt, davon das Wasser sich erregte, ein jegliches nach seiner Art, und allerlei gefiedertes Gevögel, ein jegliches nach seiner Art. Und Gott sah, daß es gut war.
22 Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehrt euch und erfüllt das Wasser im Meer; und das Gefieder mehre sich auf Erden.
23
Da ward aus Abend und Morgen der fünfte Tag."

(Genesis 1:20-23)




Am nächsten Tag designt Gott dann schließlich alle anderen Tiere und die Menschen.

"24 Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendige Tiere, ein jegliches nach seiner Art: Vieh, Gewürm und Tiere auf Erden, ein jegliches nach seiner Art. Und es geschah also.
25
Und Gott machte die Tiere auf Erden, ein jegliches nach seiner Art, und das Vieh nach seiner Art, und allerlei Gewürm auf Erden nach seiner Art. Und Gott sah, daß es gut war.
26 Und Gott sprach: Laßt uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht.

27 Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie einen Mann und ein Weib.
28
 
herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht."


(Genesis 1: 24-28)


An dieser Textstelle gibt es viele interessante Dinge zu entdecken.

1.) Gott spricht im Plural von sich selbst (1:26)
2.) Würmer gab es später als Wale (1:24)
3.) Würmer sind des Menschen Untertanen.
4.) Auch Fische sind unsere Untertanen. Was könnte denn so ein Fisch für einen Menschen eigentlich tun (außer vielleicht freiwillig in die Bratpfanne zu springen)?!
5.) Auch Schlangen sind des Menschen Untertanen (dazu später mehr...)



TURN IT ON AGAIN

"1 Also ward vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer.
2 Und also vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er machte."

(Genesis 2:1-2)

Da alles Wichtige erschaffen worden war, wie Mensch und Baum, könnte Gott eigentlich in Ruhestand gehen. Er hatte ja gesehen, dass es gut war.
Trotzdem...

"5 Und allerlei Bäume auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und allerlei Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen; denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und es war kein Mensch, der das Land baute"


(Genesis 2:5)



Anscheinend gab es noch nach der Schöpfungswoche einen Mangel an Bäumen und Menschen. Deshalb macht Gott nochmal welche.

"6 Aber ein Nebel ging auf von der Erde und feuchtete alles Land.
7
Und Gott der HERR machte den Menschen aus einem Erdenkloß, uns blies ihm ein den lebendigen Odem in seine Nase. Und also ward der Mensch eine lebendige Seele.
8 Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Morgen und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte.
9
Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, lustig anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.
"

(Genesis 2:6-9)



Gott setzt den Menschen, Singular, den er gemacht hatte, in den Garten Eden.
Nur, wo sind denn die Leute (mindestens 2), die er in Vers 1:27 nach seinem eigenen Bilde erschaffen hatte?
Und die Bäume, die er in 1:11 hat wachsen lassen? Waren die dem HERRN nicht lustig genug anzusehen?


"16 Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du sollst essen von allerlei Bäumen im Garten;
17 aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen; denn welches Tages du davon ißt, wirst du des Todes sterben."


(Genesis 2:1-16-17)


Eine dreiste Lüge: Adam stirbt nicht an dem Tag, an dem er von der verbotenen Frucht isst, sondern erst mehr als 900 Jahre später...
Eva wird übrigens gar nicht von Gott persönlich vor der Frucht gewarnt: Auch hier ist noch im Singular, von dem Menschen die Rede. Der hat keinen Namen - "Adam" ist das hebräische Wort für "Mensch". Wofür auch?
Aber anscheinend benötigten die Tiere Gottes dringend welche.

"19 Denn als Gott der HERR gemacht hatte von der Erde allerlei Tiere auf dem Felde und allerlei Vögel unter dem Himmel, brachte er sie zu dem Menschen, daß er sähe, wie er sie nennte; denn der wie Mensch allerlei lebendige Tiere nennen würde, so sollten sie heißen.
20 Und der Mensch gab einem jeglichen Vieh und Vogel unter dem Himmel und Tier auf dem Felde seinen Namen;"

(Genesis 2:19-20)



Für jedes einzelne Tier, Millionen von Spezies, musste der arme Kerl sich einen Namen überlegen!
Da ist es zu verzeihen, dass ihm bei Tieren wie Seekuh, Seeigel, Seeelefant, Seehund und Seekatze kein Name mehr eingefallen ist und er einfach "See" vor andere Tierarten setzte.

Aber wofür benötigen die Tiere denn überhaupt Namen? Sind sie nicht zuvor auch ohne prima zurecht gekommen? Handelt es sich um eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für den Menschen?
Wenigstens bekommt der Mann für seinen Job eine Belohnung. Eine Männin...

"18 Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei.
[...]
21 Da ließ Gott der HERR einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er schlief ein. Und er nahm seiner Rippen eine und schloß die Stätte zu mit Fleisch.

22 Und Gott der HERR baute ein Weib aus der Rippe, die er vom Menschen nahm, und brachte sie zu ihm.
23 Da sprach der Mensch: Das ist doch Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; man wird sie Männin heißen, darum daß sie vom Manne genommen ist.
24
Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seinem Weibe hangen, und sie werden sein ein Fleisch.
25 Und sie waren beide nackt, der Mensch und das Weib, und schämten sich nicht.


(Genesis 2:18, 21-25)


Obwohl sowohl das Weib als auch der Mensch nackt waren, hatten sie kein Problem damit. Warum auch? Weil ihre Körper nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprachen? Wenn man, wie Gott, die Existenz der ersten erschaffenen Menschen aus Vers 1:27 ignoriert, sind die Nackedeie ja die einzigen Menschen auf Erden - und damit auch die schönsten. Außerdem stehen sie so wohl kaum unter dem Druck, sich mit anderen vergleichen zu müssen.

Aber wie die meisten bereits wissen, währt die Idylle nicht lang. Schuld ist eine Schlange.



Die meisten Kirchen sehen in der Figur den Teufel im Schlangenpelz. Im Text steht nur Schlange. (Eine von den Schlangenarten, die menschlich sprechen können...)
Dieses reudige Viech sollte doch dem Menschen eigentlich untertan sein! Anscheinend gilt das nur, wenn der Teufel seine Dienste gerade nicht benötigt.

Verführt hat die Schlange nur die Frau. Wahrscheinlich nur, weil der Mann kein Mann der vielen Worte ist.

"4 Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet mitnichten des Todes sterben;

5 sondern Gott weiß, daß, welches Tages ihr davon eßt, so werden eure Augen aufgetan, und werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.
6 Und das Weib schaute an, daß von dem Baum gut zu essen wäre und daß er lieblich anzusehen und ein lustiger Baum wäre, weil er klug machte; und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann auch davon, und er aß."

(Genesis 3:4-6)


Das Weib isst nach der Diskussion mit der Schlange die verbotene Frucht - übrigens nicht explizit als Apfel bezeichnet. Der Mann ist simpler gestrickt. Er nimmt die verdammte Frucht einfach und mampft sie ohne viel Aufhebens.
Aber, aber... Wenn das der HERR sieht!


"7 Da wurden ihrer beiden Augen aufgetan, und sie wurden gewahr, daß sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schürze.
8 Und sie hörten die Stimme Gottes des HERRN, der im Garten ging, da der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seinem Weibe vor dem Angesicht Gottes des HERRN unter die Bäume im Garten."

(Genesis 3:7-8)


Adam und sein Weib verstecken sich, da sie die Stimme des HERRN hören. Der geht im Garten spazieren und führt offenbar Selbstgespräche. Denn mit wem redet er sonst? Es gab ja außer ihm nur die beiden Menschen mit denen er reden konnte.

"9 Und Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du?
10 Und er sprach: Ich hörte deine Stimme im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich.
11 Und er sprach: Wer hat dir's gesagt, daß du nackt bist?"


(Genesis 3:9-11a)

Auf die Möglichkeit, dass der Mann von selbst zu der Einsicht gelangt sein könnte, dass er nackt ist, kommt Gott nicht. Als Adam beispielsweise bemerkt hat, dass er auf die Toilette gehen kann ohne irgendwelche Klamotten abzulegen: Das wäre ein guter Hinweis für eine eventuelle Nacktheit.

Gott wird misstrauisch und fragt Adam, ob er vom verbotenen Baum gegessen habe. Anstatt seinen Mann zu stehen und einfach nur zuzugeben, dass das stimmt, zieht er sofort seine Frau mit rein und gibt ihr die ganze Schuld.

"Hast du nicht gegessen von dem Baum, davon ich dir gebot, du solltest nicht davon essen?
12 Da sprach Adam: Das Weib, das du mir zugesellt hast, gab mir von von dem Baum, und ich aß."

(Genesis 11b-12)


Na klar, die Frau ist an allem schuld und Adam konnte rein gar nichts dagegen tun. Der arme Kerl...



...ONLY THING ABOUT ME IS THE WAY I WALK

Gott ist ganz schön sauer. Das hat er wohl nicht kommen sehen.

"13 Da sprach Gott der HERR zum Weibe: Warum hast du das getan? Das Weib sprach: Die Schlange betrog mich also, daß ich aß.
14 Da sprach Gott der HERR zu der Schlange: Weil du solches getan hast, seist du verflucht vor allem Vieh und vor allen Tieren auf dem Felde. Auf deinem Bauche sollst du gehen und Erde essen dein Leben lang."

(Genesis 3:13-14)

Das finde ich etwas ungerecht. Wenn Satan in Schlangenform erscheint, kann doch die besessene Schlange nichts dafür, oder? Trotzdem muss sie und nicht der Teufel nun ein Leben lang auf dem Bauch laufen und Erde essen.

Und das ist der Grund, meine lieben Bibelschüler, warum Schlangen sich heutzutage ausschließlich von Erde ernähren...
Das Schlangen nicht mehr sprechen können, ist interessanterweise nicht Teil der Strafe. Trotzdem reden Schlangen selten mit Menschen. Aus Schaden wird man klug.


"16
Und zum Weibe sprach er: Ich will dir viel Schmerzen schaffen, wenn du schwanger wirst; du sollst mit Schmerzen Kinder gebären; und dein Verlangen soll nach deinem Manne sein, und er soll dein Herr sein."

(Genesis 3:16)


Womit hat der Mann eigentlich verdient, Herr über das Weib zu sein? So viel besser hat er sich in der ganzen Verbotene-Frucht-Sache nun auch nicht verhalten. Schließlich hat er seine Frau ohne Protest die Frucht essen lassen, gesehen, dass ihr nichts passiert ist und dann selbst gegessen. Wohlgemerkt, ohne ein einziges Wort des schlechten Gewissens.




Trotzdem kommt er weit besser weg als seine Frau:

"17 Und zu Adam sprach er: Dieweil du hast gehorcht der Stimme deines Weibes und hast gegessen von dem Baum, davon ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen, verflucht sei der Acker um deinetwillen, mit Kummer sollst du dich darauf nähren dein Leben lang."


(Genesis 3:17)


Der erste Kritikpunkt des HERRN ist nicht, dass Adam Gottes Gesetz gebrochen hat, sondern dass er auf seine Frau gehört hat, die anscheinend größere Sünde.

Die Strafe dafür ist, dass der Acker um Adams Willen verflucht wird. Diese Strafe trifft Adam genauso hart wie seine Frau, die ja auch hungern muss. Ganz im Gegenteil zu Evas Bestrafung mit einer schmerzhaften Geburt.

Entgegen populärer Meinung ist nicht die Frucht vom Baum der Erkenntnis über Gut und Böse der Grund für die Austreibung aus dem Paradies.
Es geht Gott hier um den Baum des Lebens, der ebenfalls im Paradies steht. Wer von ihm isst, wird unsterblich und so wie Gott. Doch Gott vermeidet Konkurrenz, notfalls auch mit Hilfe seiner Armee aus Engeln, den Cherubim.

"22 Und Gott der HERR sprach: Siehe, Adam ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist. Nun aber, daß er nicht ausstrecke seine Hand und breche auch von dem Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich! 
23 Da wies ihn Gott der HERR aus dem Garten Eden, daß er das Feld baute, davon er genommen ist,  
24 und trieb Adam aus und lagerte vor den Garten Eden die Cherubim mit dem bloßen, hauenden Schwert, zu bewahren den Weg zu dem Baum des Lebens."

(Genesis 3:22-24)




THAT´S ALL

Wie soll man diese Geschichte nun am besten verstehen? Millionen von evangelikalen Christen, vor allem in den USofA, nehmen den Text wörtlich und lehnen die Evolutionslehre daher ab.
In Deutschland gibt es bedeutend weniger Menschen, die die Bibel derart wörtlich interpretieren. Viele Gläubige erwarten keine naturwissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Bibel, sondern moralische Leitlinien des HERRN.

In der traditionellen Interpretation der Adam und Eva-Geschichte symbolisiert die Schlange Satan, also das personifizierte Böse. Die Figur Gott steht für Gott und ist daher gerecht und voller Liebe für seine Schöpfung. Der Fehler des Menschen war, auf die Lügen des Teufels hereinzufallen und damit Gott zu misstrauen. Dies konnte Gott, da er ja gerecht ist, nicht ohne Strafe durchgehen lassen.
Diese Sichtweise hat wenig mit der Story aus dem Buch Genesis zu tun.

Die Menschen können gar nicht auf die Lügen der Schlange hereinfallen. Der Grund dafür ist schlicht und einfach, dass die Schlange nicht lügt. Das einzige, was sie sagt ist:

"4 Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet mitnichten des Todes sterben;
5 sondern Gott weiß, daß, welches Tages ihr davon eßt, so werden eure Augen aufgetan, und werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist."

(Genesis 3:4-5)

Die Schlange sollte recht behalten: Der Mensch weiß nun wie Gott, was gut und was böse ist. Das gibt Gott selbst zu - und zwar, während er Selbstgespräche führt und daher kein Motiv zum Lügen hat.

"22 Und Gott der HERR sprach: Siehe, Adam ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist."

(Genesis 3:22a)


Auch die Behauptung der Schlange, dass die Menschen nicht sterben, wenn sie die Frucht essen, stellt sich als wahr heraus.
Eva fällt also nicht auf eine Lüge hinein. Im Gegenteil: Sie erkennt richtig, dass es in der Geschichte nur einen Lügner gibt, nämlich Gott.

"16 Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du sollst essen von allerlei Bäumen im Garten;
17 aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen; denn welches Tages du davon ißt, wirst du des Todes sterben."

(Genesis 2:16-17)


Die Menschen sterben nicht am Tag des Sündenfalls und auch nicht kurz danach. Adam erreicht sogar das stattliche Alter von 930 Jahren (Genesis 5:5)
Die Interpretation, dass Adam und Eva niemals hätten sterben müssen, wenn sie die verbotene Frucht nicht angerührt hätten, ist ebenfalls mit dem Bibeltext nicht vereinbar. Der Grund dafür, dass sie nicht ewig leben ist nicht die Frucht vom Baum der Erkenntnis, sondern dass Gott ihnen die Frucht vom Baum des Lebens verweigert.
Hätten sie auch diese Frucht gegessen, wären Adam und Eva auch noch unsterblich gewesen - und Gott hätte nichts mehr in der Hand gehabt, um die Menschen zu beherrschen.

"22Und Gott der HERR sprach: Siehe, Adam ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist. Nun aber, daß er nicht ausstrecke seine Hand und breche auch von dem Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich!"

(Genesis 3:22)



Warum ist Schlange nun bösartig? Sie sagt nur die Wahrheit. Weil sie damit Gott als Lügner entlarvt? Oder weil die Menschen in der Lüge ein besseres Leben gehabt hätten? Die verbotene Frucht bringt ihnen jedoch keine direkten Nachteile. Das tut allein Gott, weil er seine Macht nicht teilen möchte.

Was kann man den Menschen vorwerfen? Dass sie einer sprechenden Schlange geglaubt haben? Warum sollten sie das nicht tun? Dass die Schlange angeblich "böse" ist, konnten sie ja erst wissen, als sie bereits vom Baum der Erkenntnis über Gut und Böse gegessen hatte. Und da war's ja zu spät.

Gott ist entweder inkompetent oder bösartig. Ein allwissender und allmächtiger Gott hätte den Sündenfall voraussehen und verhindern können. Dennoch hätte er seinen Menschen einen freien Willen geben können. Nachdem Adam und Eva sich falsch entschieden haben, hätte er ein neues Paar erschaffen können - oder direkt die nehmen können, die er ja bereits vor Adam und Eva gemacht hatte.
Die neuen Menschen hätte er in exakt die gleiche Situation wie Adam und Eva bringen können. Das hätte er nur so lange wiederholen müssen, bis ein Paar die richtige Entscheidung getroffen hätte. (Falls ausnahmslos alle Menschen von der Frucht gegessen hätten, läge es wohl in ihrer Natur und sie hätten in der Hinsicht gar keinen freien Willen.)
Nachdem Gott dann die richtige Rezeptur gefunden hätte, könnte er die Erschaffung aller anderen Menschen rückgängig machen, so als hätten sie niemals existiert.
Kein einfacher Plan, aber ein allmächtiger Gott sollte so etwas hinkriegen, wenn er sich anstrengt.

Gott hätte bei Adam und Eva natürlich auch direkt ganz auf diesen Test verzichten können. Zum Beispiel hätte er die verbotenen Früchte so hoch wachsen lassen können, dass Eva nicht drankommt. Oder sie widerlich stinkend gemacht, so dass die Menschen sie instinktiv (haha) meiden würden. Oder direkt ganz auf diesen Baum in seinem Garten verzichten können. Oder auf den Teufel.

In der illustren Gesellschaft von Gott, Mensch und Satan ist Gott das einzige wirklich bösartige Wesen.



ENDE TEIL 1


Im nächsten Teil: Gott macht eine große Welle...





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SERIE: "DAS BUCH GENESIS"

>> Teil 1: "Sonne, Mond und Sterne"


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