11. April 2014

PROPAGANDA-FAKTENCHECK: Die Zeugen Jehovas Teil 2


[Teil 1]

Beim letzten Mal haben wir den ersten Teil der Broschüre "Das Leben - Reiner Zufall?" von den Zeugen Jehovas - hier online verfügbar - untersucht, in dem wir gelernt haben, warum die Evolutionslehre Mist ist. Im folgenden Teil der selben Veröffentlichung erfahren wir nun, was stattdessen die vernünftigste und plausibelste Erklärung für die Entstehung aller Lebewesen ist: Der biblische Schöpfungsbericht ...






"Viele behaupten, der biblische Schöpfungsbericht sei mit wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht zu vereinbaren."

Und sie haben Recht.


"Doch der eigentliche Konflikt besteht nicht zwischen der Wissenschaft und der Bibel, sondern zwischen der Wissenschaft und dem christlichen Fundamentalismus. Einige Fundamentalisten legen die Bibel so aus, als sei die gesamte materielle Schöpfung erst rund 10000 Jahre alt. Ihrer Meinung nach wurde alles in sechs buchstäblichen 24-Stunden-Tagen erschaffen."

Das ist falsch. Dass die Erde vor etwa 6000 Jahren in nur sechs Tagen erschaffen wurde, steht so wörtlich in der Bibel. Eine "Auslegung" des Textes ist somit unnötig.


"Bei näherem Hinsehen entdeckt man jedoch keinen Widerspruch zwischen den Aussagen der Bibel und bewiesenen wissenschaftlichen Fakten."

Sofern man blind ist ...
Gehen wir zur nächsten Lüge über:

"Geologen geben das Alter der Erde mit etwa 4 Milliarden Jahren an. Und Astronomen gehen davon aus, dass das Universum gut 15 Milliarden Jahre alt ist. Widersprechen diese gegenwärtigen Schätzungen den Worten in 1. Mose 1:1? Nein. Die Bibel sagt nichts Konkretes über das Alter von „Himmel“ und „Erde“. Die Wissenschaft und der Bibelbericht sind nicht unvereinbar."


Da biegen sich ja die Balken ...
Wer behauptet, die Bibel sage "nichts Konkretes" über das Alter von Himmel und Erde, der lügt entweder oder hat er angefangen, die Bibel zu lesen, aber es noch vor dem Ende des allerersten Satzes wieder aufgegeben.
Der lautet nämlich: "Am Anfang erschuf Gott Himmel und Erde." Wie die Zeugen aber selbst zugegeben haben, tauchte unser schöner Planet nicht "am Anfang" aller Zeiten, sondern erst 10.000.000.000 Jahre nach dem Urknall auf.

Außerdem finden wir in der "Heiligen Schrift" lückenlose Stammbäume von Adam (der laut Genesis am sechsten Tag der Schöpfungswoche erschaffen wurde) bis hin zu Jesus Christus. Rechnet man diese Daten zusammen, kommt man auf etwa 4000 vor unserer Zeitrechnung als Startpunkt für das Universum und liegt damit immerhin falsch um einen Faktor von mehr als eine Millionen ...

Selbst wenn man die Schöpfungswoche großzügig interpretiert, bleibt noch das Problem, dass das Alter der Menschheit durch die Stammbäume dennoch immer noch bei 6000 Jahren angesiedelt ist, während seriöse Forscher von 100.000-200.000 Jahren Homo sapiens ausgehen. Andere Menschenarten gab es noch deutlich früher, seit etwa 2,3 Millionen Jahren ...



Was ist über die Länge der einzelnen Schöpfungstage zu sagen? Muss man von buchstäblichen 24 Stunden ausgehen?

Die Zeugen versuchen uns weiszumachen, dass das Wort "Tag" im Schöpfungsbericht nicht "Tag" bedeutet, sondern ein undefinierter Zeitraum von Milliarden von Jahren.
Der einzige Grund dafür ist, dass mittlerweile klar ist, dass eine Schöpfung innerhalb sieben Tage ein großer Schmarr'n ist und man dennoch nicht seinen ganzen Glauben verwerfen will.
Die Bibel spricht aber deutlich gegen eine solche Interpretation von "Tag". Das in Genesis benutzte Wort dafür ("yom") bedeutet an anderen Stellen ziemlich eindeutig immer das, was wir normalerweise unter einem Tag verstehen: Eine Zeitraum von 24 Stunden.
In den angeblichen ach-so-wichtigen Zehn Geboten steht:

"Sechs Tage sollst du arbeiten und alle dein Dinge beschicken; aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes; da sollst du kein Werk tun noch dein Sohn noch deine Tochter noch dein Knecht noch deine Magd noch dein Vieh noch dein Fremdling, der in deinen Toren ist. Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn." (Exodus 20) 

Laut Zeugen Jehovas ist dies so zu verstehen: Sechs Tage sollst du arbeiten und am siebten ruhen. Denn in sechs Millionen-von-Jahren-dauernden Phasen hat Gott die Welt gemacht und ruhte in der siebten Millionen-von-Jahren-dauernden Phase. Darum segnete der HERR den Sabbat-Tag.
Ist das wirklich die plausibelste Interpretation?..


Legt das schrittweise Auftreten der Pflanzen und Tiere nahe, dass Gott die enorme Vielfalt des Lebens mithilfe der Evolution hervorbrachte? Nein.

Da sind wir uns ja endlich mal einig, liebe Zeugen. Der biblische Schöpfungsbericht ist mit der Evolutionslehre nicht vereinbar. Die Evolutions-Theorie ist eine der am besten und gründlichsten bewiesenen Theorien der modernen Wissenschaft.
Komisch, eigentlich ...
Wir erinnern uns: Die Zeugen haben doch eigentlich behauptet:

"Bei näherem Hinsehen entdeckt man jedoch keinen Widerspruch zwischen den Aussagen der Bibel und bewiesenen wissenschaftlichen Fakten."

"Die Wissenschaft und der Bibelbericht sind nicht unvereinbar."


Also: Wie war es denn nun in Wirklichkeit, wenn keine Evolution stattgefunden hat?

"Wie der Schöpfungsbericht ganz klar zeigt, hat Gott alle Haupt„arten“ erschaffen"

Ganz klar, also. Hmmmm..., aber was ist denn eine "Art" und was unterscheidet sie von einer Art?
Die eindeutige Antwort Gottes:

Wie sind die Grenzen innerhalb einer „Art“ definiert? Darüber sagt die Bibel nichts.

Oh. Okay ...
... Häh?!


"Doch sie erklärt ausdrücklich, dass die Lebewesen „nach ihren Arten“ erschaffen worden sind" 

Die Bibel "erklärt" also, dass Lebewesen in verschiedenen "Arten" erschaffen wurden, aber nicht, was das bedeuten soll.
Höret meine prophetische Weisheit: Das Universum existiert nur durch "+'*\~]?^°'#". Ich sage euch nicht, was "+'*\~]?^°'#" bedeutet, aber es ist so.
Danket mir für diese geistige Erleuchtung und betet mich an!



"Was der Bericht in 1. Mose über die Entstehung des Universums und das Auftreten von Leben auf der Erde sagt, stimmt vielmehr im Wesentlichen mit dem aktuellen Stand der Forschung überein."

Liebe Zeugen, ein Tipp von mir: Lügen werden nicht dadurch wahrer, dass man sie bis zum Erbrechen wiederholt.
Ein Beispiel: Biologen wissen - nicht erst seit gestern übrigens -, dass Pflanzen ihre Energie aus dem Licht der Sonne gewinnen. Der liebe Gott sollte das als Designer eigentlich wissen, oder? Laut der Bibel wurde die Sonne aber erst einen Tag nach allen Pflanzen erschaffen.

Während die Wissenschaft die Entstehung unserer Sonne auf mehr als 4 Milliarden Jahre vor Christus datiert und das Auftauchen der Landpflanzen auf etwa 0,5 Milliarden Jahre vor uns, versuchen uns die Zeugen weiszumachen, dass folgendes mit den Erkenntnissen der Wissenschaft wunderbar vereinbar sei: Gott erschafft Licht, bevor er die Sonne erschafft. Dann macht er Pflanzen und am nächsten Tag erschafft er schließlich "zwei Lichter, die Tag und Nacht regieren". Gemeint sind Sonne und Mond, obwohl der Mond in Wirklichkeit nicht leuchtet, sondern reflektiert. Das wussten die Leute damals nicht - und das ist der springende Punkt. Gott würde es wohl wissen.


"Bemerkenswerterweise machte Moses aber schon in alter Zeit wissenschaftlich korrekte Aussagen."

Ach so? Na, da bin ich ja mal gespannt. Nebenbei bemerkt: Die große Mehrheit der modernen Bibelforscher glaubt nicht, dass die Torah von Moses geschrieben worden ist, und es gibt keinerlei Beweise für diese Behauptung.


"Wie er im Schöpfungsbericht schrieb, hatte das Universum einen Anfang und das Leben trat in einer Abfolge von mehreren Phasen auf. Wie kam Moses vor rund 3500 Jahren an diese Informationen?"

Wie kommen die Zeugen auf diese frühe Datierung? Beweise gibt es dafür keine.
Um den Rest der Fragen zu beantworten: Nun, entweder hat das Universum einen Anfang oder aber nicht. Die Chance, dies richtig zu erraten, liegen bei 50:50.
Und was die Zeugen mit "das Leben trat in einer Abfolge von mehreren Phasen auf" meinen, ist mir schleierhaft. Laut Bibelbericht, im krassen Kontrast zur Realität, wurden beispielsweise alle landbewohnenden Tiere an einem einzigen Tag zugleich erschaffen.
Im Gegensatz zu der Evolutionslehre kann ich darin keine "Abfolge" von "mehreren" Phasen erkennen.


"Nur einer konnte Moses ein Wissen geben, das seiner Zeit so weit voraus war, nämlich derjenige, der die Weisheit und die Macht hatte, Himmel und Erde zu erschaffen."

Gut, wenn man den Text furchtbar verbiegt, kann man ein paar wissenschaftliche Tatsachen hineininterpretieren. Aber dadurch, dass der Großteil nun beim besten Willen Unsinn ist, halte ich diese Schlussfolgerung doch für ein klein wenig vorschnell ...

Der biblische Schöpfungsbericht unterscheidet sich nicht prinzipiell von Schöpfungsberichten anderer, oft sehr viel älterer Religionen. Selbst wenn die Bibel also korrekte Infos liefern würden, wäre Moses seiner Zeit nicht voraus, sondern noch immer ein Produkt seiner Kultur.


"Das bestätigt, dass die Bibel, wie sie selbst sagt, „von Gott inspiriert“ ist."

Nicht wirklich.
Ich habe den Text in den Zitaten etwas gekürzt, doch die Tatsache, dass das Universum einen Anfang hat und das Leben in verschiedenen "Phasen" entstanden ist, dies sind die einzigen beiden Argumente, die die Zeugen liefern, um ein Wissen zu demonstrieren, welches angeblich so radikal seiner Zeit voraus war, dass die einzige plausible Erklärung eine direkte Kommunikation mit dem Schöpfer des Universums ist.


Auf der letzten Seite der furchtbaren Propaganda-Broschüre werden existenzielle Ängste geschürt. Wenn es keinen Gott gebe und wir nur ein "Zufallsprodukt" sind, das wäre doch schrecklich, oder?!
Wäre es nicht viel cooler, für immer zu leben und einen magischen, allmächtigen Kumpel im Himmel zu haben? Definitiv. Und deshalb ist es wahr.
Logik im Zeugen-Jehova-Style.

"Wenn man der Bibel glauben kann, hat das Leben definitiv einen Sinn. Unser Schöpfer hat nämlich mit allen, die sich auf seine Seite stellen, Überwältigendes vor (Prediger 12:13). Er verspricht ein Leben ohne Kriege, Chaos und Korruption, eine Welt, in der es nicht einmal mehr den Tod gibt (Psalm 37:10, 11; Jesaja 25:6-8).
Millionen Menschen rund um den Globus sind davon überzeugt, dass es enorm bereichert, sich mit Gott zu beschäftigen und so zu leben, wie er es möchte (Johannes 17:3). So ein Glaube basiert nicht auf reinem Wunschdenken, sondern auf Tatsachen.
Und die Tatsachen sprechen für sich: Hinter allem Leben steckt ein genialer Schöpfer."

Wir Skeptiker müssen also einsehen, dass die Zeugen Jehovas Dinge nicht nur einfach behaupten, sondern mit Fakten belegen können. Leider werden uns die angeblichen "Tatsachen" nicht geliefert, da die schreckliche Propaganda-Broschüre mit diesen Worten endlich endet.

Komisch, wenn es doch gute Beweise für die Position der Zeugen geben würde, wäre diese Broschüre doch die ideale Plattform, uns mitzuteilen, was das denn jetzt genau für Beweise seien.
Stattdessen wird gegen die Evolutionstheorie-wie-Vollidioten-sie-verstehen argumentiert und einfach immer wieder behauptet, Wissenschaftler hätten keine Theorien für die angesprochenen Themen, mit Ausnahme von "reiner Zufall".
Die üblichen Beweise für Evolution, die sich in unserem Informations-Zeitalter wirklich einfach finden lassen, werden einfach völlig verschwiegen.

Als Alternative wird uns ein Buch vorgeschlagen, in dem Hexen, sprechende Esel, Riesen und Zombiehorden vorkommen und das gleichzeitig völlig mit den Erkenntnissen der Wissenschaft vereinbar ist.
Wenn Jehova das so sagt, wird es wohl stimmen!
Überzeugt?

(Hahaha, versteht ihr?! Überzeugt!)




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